
Wie sich Adipositas bemerkbar macht: Beschwerden und gesundheitliche Folgen
Das Wichtigste in Kürze
Haben Sie auch schon oft den Satz gehört: "Du musst doch nur weniger essen und dich mehr bewegen"? Wir wissen, wie frustrierend und verletzend solche Ratschläge sind. Vor allem aber sind sie medizinisch falsch.
Wir möchten Ihnen eine entscheidende Last von den Schultern nehmen: Adipositas ist keine Charakterschwäche und kein Mangel an Disziplin. Es ist eine anerkannte, komplexe und chronische Erkrankung.
Das ist nicht nur unsere Meinung, sondern die offizielle Haltung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und seit 2020 auch des Deutschen Bundestages. Ihr Körper hat im Laufe der Zeit Regulationsmechanismen entwickelt, die das hohe Gewicht aktiv verteidigen.
Zu erkennen, dass man an einer Krankheit leidet, ist der erste Schritt zur Besserung. Denn für eine Krankheit braucht man sich nicht zu schämen – man braucht eine professionelle Therapie.
Das Fettgewebe bei Adipositas, insbesondere im Bauchraum, ist biologisch sehr aktiv. Es sendet Botenstoffe aus, die im gesamten Körper Entzündungsprozesse fördern und tief in den Hormonhaushalt eingreifen. Zusammen mit der mechanischen Belastung erklärt dies die Vielzahl der möglichen Beschwerden.
Spürbare Belastungen im Alltag
Die direkten körperlichen Auswirkungen sind oft die ersten Anzeichen, die Betroffene wahrnehmen.
- Kurzatmigkeit (Dyspnoe)
Schon bei leichter Anstrengung kann Atemnot auftreten, da das Gewicht auf den Brustkorb drückt. - Vermehrtes Schwitzen
Das Fettgewebe wirkt isolierend, wodurch der Körper Wärme schlechter abgeben kann. - Eingeschränkte Beweglichkeit
Alltägliche Handgriffe können mühsam werden.
Schwerstarbeit für Herz, Stoffwechsel und Gelenke
Die bekanntesten Folgen betreffen das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel und das Skelett.
Metabolisches Syndromz:
- Typ-2-Diabetes: Adipositas ist der wichtigste Risikofaktor
- Herz-Kreislauf: Bluthochdruck, Arterienverkalkung, Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko
- Orthopädische Folgen: Arthrose an Knien und Hüften, chronische Rückenschmerzen
Spezielle Aspekte der Frauengesundheit
Fettgewebe beeinflusst den Hormonhaushalt, insbesondere die Produktion von Östrogenen.
- Hormonelle Störungen (PCOS)
Adipositas begünstigt das Polyzystische Ovarialsyndrom – oft mit Zyklusstörungen und unerfülltem Kinderwunsch. - Schwangerschaftsrisiken
Erhöhtes Risiko für Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck und Komplikationen bei der Geburt. - Wechseljahre & Inkontinenz
Stärkere Beschwerden während der Menopause; erhöhter Druck im Bauchraum belastet den Beckenboden.
Spezielle Aspekte der Männergesundheit
Auch bei Männern greift das aktive Bauchfettgewebe in das hormonelle Gleichgewicht ein.
- Erektile Dysfunktion
Häufige Folge durch schlechtere Durchblutung und hormonelles Ungleichgewicht. - Testosteronmangel & Fruchtbarkeit
Im Fettgewebe wird Testosteron verstärkt in Östrogen umgewandelt – Libidoverlust und verminderte Spermienqualität können folgen.
Erhöhtes Krebsrisiko
Die chronischen Entzündungsprozesse und hormonellen Veränderungen können das Wachstum von Tumorzellen begünstigen. Nachweislich erhöht ist das Risiko insbesondere für Darmkrebs, Brustkrebs (nach den Wechseljahren) sowie Gebärmutterschleimhautkrebs.
Die Last auf der Seele: Psychische Folgen
Adipositas ist eine sichtbare Erkrankung, die oft mit starken gesellschaftlichen Vorurteilen verbunden ist. Diese soziale Belastung geht nicht spurlos an der Psyche vorbei.
Viele Betroffene leiden unter vermindertem Selbstwertgefühl, chronischem Stress und sozialem Rückzug. Das Risiko für Depressionen oder Angststörungen ist deutlich erhöht.
Weitere wichtige Begleiterkrankungen
Fettleber
Die Einlagerung von Fett in der Leber kann zu Entzündungen führen.
Hinweis:
Im Bereich "Begleiterkrankungen" finden Sie weiterführende Informationen zu den häufigsten Krankheitsbildern, die mit Übergewicht in Verbindung stehen.
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