
Das Wichtigste in Kürze
Der Weg zu einer wirksamen Therapie beginnt mit einer sorgfältigen Bestandsaufnahme. Eine moderne, leitliniengerechte Diagnostik ist weit mehr als nur das Ablesen einer Zahl auf der Waage. Sie ist keine Verurteilung, sondern der Startschuss für Hilfe.
Im Kern geht es bei der ärztlichen Untersuchung um zwei Fragen: Liegt eine Adipositas vor? Und: Hat das Gewicht bereits gesundheitliche Spuren hinterlassen?
Eine professionelle Adipositas-Diagnostik nach medizinischen Leitlinien stützt sich auf mehrere Säulen. Es geht darum, den Menschen als Ganzes zu erfassen – seine Geschichte, seinen Körper und seinen Stoffwechsel.
Dabei gilt: Je höher der BMI oder je mehr Beschwerden bereits vorliegen, desto umfassender fallen die Untersuchungen in der Regel aus.
Das ausführliche Gespräch (Anamnese)
Am Anfang steht nicht die Apparate-Medizin, sondern das Gespräch. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt muss verstehen, wie sich Ihr Gewicht über die Jahre entwickelt hat.
Wichtige Themen:
- Gewichtsverlauf: Seit wann besteht das Übergewicht? Gab es Auslöser (Schwangerschaft, Rauchstopp, Krisen, Medikamente)?
- Bisherige Versuche: Welche Diäten oder Programme wurden schon probiert? Was hat funktioniert, was nicht?
Die körperliche Bestandsaufnahme
Hier werden die harten Fakten ermittelt, die das Ausmaß der Adipositas klassifizieren.
- BMI (Body-Mass-Index)
Wird aus Größe und Gewicht errechnet und teilt die Adipositas in Schweregrade ein. - Taillenumfang
Extrem wichtig, um das gesundheitlich riskante Bauchfett (viszerales Fett) einzuschätzen. - Körperliche Untersuchung
Der Arzt hört Herz und Lunge ab, misst den Blutdruck und prüft Gelenke auf Bewegungseinschränkungen.
Der Blick nach innen: Labor und Früherkennung
Da Adipositas das Risiko für viele andere Krankheiten massiv erhöht, ist ein Screening auf Begleiterkrankungen fester Bestandteil der Basisdiagnostik.
Diese Werte sollten standardmäßig geprüft werden:
- Stoffwechsel-Check: Nüchternblutzucker und HbA1c zeigen an, ob ein Diabetes vorliegt.
- Fettstoffwechsel: Cholesterin und Triglyceride für das Herz-Kreislauf-Risiko.
- Organfunktionen: Leberwerte, Nierenwerte und Harnsäure.
- Mögliche Ursachen: TSH-Wert zum Ausschluss einer Schilddrüsenunterfunktion.
Weiterführende Untersuchungen (bei Bedarf)
Je nach den Ergebnissen der Basisuntersuchung können weitere Schritte sinnvoll sein:
- Herz-Check
EKG oder Herzultraschall, wenn Hinweise auf Herzprobleme bestehen. - Schlafmedizin
Bei starkem Schnarchen oder Tagesmüdigkeit: Untersuchung auf Schlafapnoe. - Orthopädie
Bei chronischen Gelenkschmerzen kann eine Überweisung zum Facharzt sinnvoll sein.